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Fachliteratur - Technische Tipps

Tipp`s von Dr. Helmut Hauer

Taktisches Grundwissen

Nachdem Sie, liebe Leser, sich offensichtlich mit dem Tennis näher befassen und neben dem Erlernen von Schlägen auch etwas darüber erfahren wollen, wie man dieses Spiel spielen sollte, möchte ich Ihnen dazu einige Tipps geben. Eines ist nämlich sicher: Die meisten Tennisspieler konzentrieren sich viel zu sehr auf das Schlagtraining und vergessen darüber, dass man auch mit schwächeren Schlägen gewinnen kann, wenn man ein bisschen "gescheiter" spielt.

Man hört dann oft technisch bessere Spieler klagen "Ich war der Bessere und habe trotzdem verloren". Sie übersehen allerdings, dass nicht nur die Beherrschung der Schlagtechnik, sondern auch ihre richtige Anwendung ein Qualitätskriterium ist. Sie haben daher nicht recht, wenn sie meinen, die besseren Spieler zu sein. Sie sind zwar mit Sicherheit die besseren "Schläger", die besseren "Spieler" sind aber aller Wahrscheinlichkeit nach ihre siegreichen Gegner.
                                                                                                         
Das Grundlinienspiel

Die Vorbereitung / Vorbereitungsschläge (Preperationshots)

Grundzätzlich kann jeder Ball, den man übers Netz spielt, ohne damit einen direkten Punkt zu machen, ein Vorbereitungsschlag sein:

Lachen Sie nicht! Denken Sie lieber daran , wie oft Sie selbst ohne jede Notwendigkeit auf einen einfachen Ball einen dummen Fehler gemacht haben. Merkt Ihr Gegner, dass Sie mehr riskieren, als Sie aufgrund Ihres technischen Könnens sollten, so wird er seine Punkte damit vorbereiten, dass er Ihnen die Bälle einfach herüberspielt und darauf wartet, dass Sie Ihre überplatzierten, zu flachen oder zu "scharfen" Bälle ins Out oder ins Netz befördern.

Andererseits kan ein bloss über das Netz gespielter Ball auch eine Vorbereitung für den Winnerschlag des Gegners sein. In diesem Fall wäre die unzureichende Vorbereitung nach hinten los gegangen. Wir sehen also, dass das blosse Hinüberspielen auch nicht ausreichen wird.

Sehen wir also davon ab, dass wir den Punkt durch blosses "Hinüberspielen" vorbereiten können, weil der Gegner unerzwungene Fehler macht, so stellt sich die Frage, was man mit Grundlinienschlägen vorbereiten will und kann.

Im Wesentlichen verfolgen wir mit Vorbereitungsschlägen 3 Zielsetzungen:

a) die Tempoübernahme
b) die Möglichkeit für Winnerschläge
c) die Möglichkeit zum Netzangriff

Die Tempoübernahme

Tempoübernahme bedeutet, dass man das Spieltempo bestimmt und dadurch den Gegner technisch oder / und konditionell unter Druck  setzt.

Wie erzeugt man Druck und kann dadurch das Tempo übernehmen?

a) durch schnelle Bälle, durch die der Gegner Timingprobleme aufgrund der Geschwindigkeit des Balles bekommt
b) durch Winkelschläge, die das gegnerische Feld öffnen und der Gegner den Ball aus vollem Lauf schlagen muss
c) durch hohe schnelle Topspinschläge und tiefe Sliceschläge, durch die der Gegner den Ball in sehr hohen oder sehr tiefen Treffpunkten schlagen muss.

Ziel des Tempospieles ist primär der Fehler des Gegners. Tut uns dieser nicht den Gefallen, den Ball zu verschlagen, so sollten sich in weiterer Folge durch das Tempospiel Chancen auf Winnerschläge oder auf einen Netzangriff ergeben. Nicht vergessen dürfen wir, dass speziell das Winkelspiel durch die dadurch bedingte erhöhte Laufarbeit des Gegners und die in der Folge eintretende Ermüdung auch  einen Langzeiteffekt hat.


Das Tempospiel

Wir beschäftigen uns bei der Vermittlung des taktischen Grundwissens derzeit mit dem
Grundlinienspiel und den Verbereitungsschlägen. Dabei haben wir festgestellt, dass neben dem unerzwungenen Eigenfehler des Gegners die Zielsetzung von Vorbereitungsschlägen (Preperatinoshots), die Tempoübernahme (das Tempospiel) und die Chance auf Winnerschläge oder den Netzangriff ist.
Im letzten Beitrag habe ich mit der Tempoübernahme begonnen und festgestellt, dass man Tempo duch
schnelle Bälle, Winkelschläge und hohe schnelle Topspinschläge bzw. tiefe Sliceschläge machen kann.

Wir wollen uns dieses Mal mit dem
schnellen Spiel beschäftigen.

Schnelle Bälle
Der Ball wird schnell, wenn er
a) mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit ohne Drall (zentral getroffen) geschlagen wird
b) mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit mit Vorwärtsdrall (tangential getroffen) geschlagen wird
c) eine flache Flugbahn aufweist

Mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit ohne Drall geschlagene Bälle
Hohe Bewegungsgeschwindigkeit bei zentralem (vollem) Treffen des Balles bedeutet, dass viel Energie auf den Ball übertragen wird, wodurch grosse Schlagwucht zustande kommt. Technisch handelt es sich dabei um Driveschläge.
Vorteil: Kein Energieverlust, da die Schlagenergie zur Gänze das Zentrum des Balles trifft und keine Energie für die Rotation verloren geht. Lange Flugbahn.
Nachteil: Gelegentlich zu lange Flugbahn, kaum Drall in der 2. Flugbahn (nach dem Aufspringen), angenehme Treffpunkthöhe (in Hüfthöhe) für den Gegner.

Mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit und Vorwärtsdrall geschlagene Bälle
Sehr hohe Bewegungsgeschwindigkeit des Schlagarmes, perfekte Körperkoordination und gutes Timing sind Voraussetzung für schnelles Topspinspiel, da ein Teil der Schlagenergie für die Rotation des Balles benötigt wird, wodurch die Ballgeschwindigkeit reduziert wird.
Allerdings sind mit Topspin geschlagene Bälle in ihrer zweiten Flugbahn (nach dem Aufspringen) aufgrund ihrer stärkeren Vorwärtsrotation schneller als Drives (ausserdem springen sie höher ab).
Vorteil: Die Flugbahn der Bälle ist aufgrund des Vorwärtsdralles kürzer als bei Drives, so dass der Ball im Feld bleibt. Schnelle und steil abspringende zweite Flugbahn, durch die der Gegner Timingprobleme bekommen kann.
Nachteil: bei gleicher Bewegungsgeschwindigkeit etwas langsamer als Drives. Bei zuviel Topspin zu langsam und eventuell auch zu kurz, wodurch der Gegner eine gute Treffpunkthöhe und Winner- oder Angriffschancen erhällt.

Bälle mit flacher (nahezu) horizontaler Flugbahn
Da die Gerade die schnellste Verbingung zwischen zwei Punkten ist, ist die flache Flugbahn die schnellste Verbindung zwischen Treffpunkt und Aufsprung des Balles.
Vorteil: Die Flugzeit des Balles ist kürzer als bei gekrümmten Flugbahnen.
Nachteil: Flache Flugbahnen werden zu kurz, wenn nicht mit hoher Schlagwucht geschlagen wird.
Werden flache Flugbahnen knapp über das Netz gespielt, so erhöht sich die Gefahr des Eingenfehlers.
"Flach aber nicht knapp" ist daher die Anweisung, die jeder Spieler beherzigen sollte.

Achtung!
Flache (nahezu horizontale) Grundlinienschläge sollten nur bei Treffpunkten über Hüfthöhe gespielt werden.

Winkelschläge öffnen das Feld

Die besten Gelegenheiten für einen grossen Schlagwinkel bieten relativ kurze down the line (longline) geschlagene Bälle des Gegners. Von der Seitenlinie kann durch einen kurz cross gespielten Ball ein grosser Schlagwinkel erzielt werden, der umso grösser wird, je näher der Gegner an die Seitenlinie und je kürzer er diesen Ball spielt.
Dreimal dürfen Sie raten, welchen Schlag man daher als Grundlinienschlag tunlichst vermeiden sollte:
einen relativ langsamen RH Slice longline, womöglich noch nahe an die Linie platziert.
Erstens schlagen wir ihn auf die VH eines Rechtshänders, zweitens birgt er das Risiko, dass er im Seitenout landet und drittens gibt er dem Gegner die Möglichkeit, mit einem kurz cross geschlagenen VH Topspin, einen grossen Schlagwinkel zu spielen.

Im modernen Tennis werden auch "inside-out" Winkelschläge gespielt. Es sind dies Schläge, bei denen man entweder die RH umläuft um mit der VH auf die RH Seite des Rechtshänders zu schlagen oder mit RH Schlägen von der Mitte der RH Seite die meistens offene Vorhandseite des Gegners attackiert. Spitzenspieler tun dies mit einem schnellen Topspin Drive (meistens Bihänder) aber auch mit einem RH Slice mit Sidespin. Entscheidend ist, dass die inside out geschlagenen RH Schläge nicht von der Seitenlinie longline geschlagen werden sollten, sondern von Rückhand Mitte, da auf diese Weise ein, wenn auch kleiner, Winkel erzielt wird.

Was soll man bei Winkelschlägen beachten?

1. Da Schläge mit grossem Schlagwinkel kürzer sein müssen als lang cross gespielte Grundlinienschläge, sollte die Flugbahn des Balles im eigenen Feld ihren höchsten Punkt erreichen und über dem Netz bereits fallend sein.

2. Winkelschläge sollten mit Topspin geschlagen werden, da ihre Flugbahn dadurch kürzer wird.

3. Die Schlagwucht sollte zumindest anfänglich etwas reduziert werden, um den Ball nicht ins Seitenout zu schlagen.

4. Je weiter man von der Platzmitte aus schlägt, umso schwieriger sind Winkelschläge zu schlagen und umso kleiner wird der mögliche Schlagwinkel.

Trainingstipp: Der Trainer spielt aus dem Korb langsame und relativ kurze Bälle down the line und zwar nahe zur Seitenlinie. Der Spieler versucht, die Bälle mit leichter Laufarbeit und offener Bein- Beckenstellung - kurz cross - ins "Gangerl" (zwischen Single- und Doppellinie) zu schlagen.
Dadurch spielt er einen extremen Schlagwinkel und lernt, den Schläger von aussen an den Ball heranschwingen zu lassen.
Langsam verlängert der Trainer das Zuspiel und der Spieler bleibt innerhalb des Singlefeldes.

Das Winkelspiel dient zur Vorbereitung von Winnerschlägen

Winnerschläge sind Schläge, mit denen man auf den unmittelbaren Punktgewinn ausgeht, wobei das durch Winkelspiel geöffnete Feld eine ideale Gelegenheit bietet.


Nach dem schnellen Spiel und dem Winkelspiel bilden hohe Topspinschläge und tiefe Sliceschläge die dritte Möglichkeit der Tempoübernahme und damit der Vorbereitung des Punktgewinns.

Zunächst einmal wollen wir klarstellen, welche Schläge damit gemeint sind:

Hohe Topspinschläge

Zielsetzung: Der Gegner soll gezwungen werden, Treffpunkte in Schulterhöhe zu schlagen.
Das ist für technisch schwache Spieler nicht leicht und vor allem Bihänder tun sich dabei schwer. Darüber hinaus macht die Verstärkung des Dralls in der zweiten Flugbahn (nach dem Aufsprung) den Ball schnell und kann Timingprobleme bereiten. Sollte der Gegner den Ball nicht hoch schlagen wollen, muss er weit hinter die Grundlinie zurück, wodurch er das Tempo mit grosser Wahrscheinlichkeit verliert.
Technik: Topspinschläge mit einer steigenden Flugbahn über dem Netz und einem Abstand vom Netz von ca. 1 1/2 bis 2 Meter. Nur mit dieser Flugbahnhöhe erzielen wir jene Länge, die wir brauchen, um den Gegner hinter die Grundlinie zu zwingen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass die Ballgeschwindigkeit und der Drall relativ hoch sein müssen, da der Ball ansonsten in seiner zweiten Flugbahn nicht schnell genug und mit der nötigen Rotationsgeschwindigkeit abspringt.
Trainingstipp: Stellen Sie einen Trainingspartner, der den Schläger mit ausgestrecktem Arm waagrecht über dem Kopf hält, in der gegnerischen Hälfte knapp hinter das Netz und schlagen Sie die vom Trainier zugespielten Bälle knapp über ihn. Sie werden sehen, dass diese Flugbahnhilfe automatisch zur idealen Länge ihrer hohen Topspin Vorbereitungsschläge führt.
Taktik: Man spielt "hoch aufgerissen" meist gegen kleine Spieler, Rückhand-Bihänder und solche, die mit hohen Bällen technische Probleme haben. Auch zum Tempo- und Rhythmuswechsel sind diese Bälle sehr gut geeignet.

Tiefe Sliceschläge

Zielsetzung: Der Gegner soll gezwungen werden, tiefe Treffpunkte, d.h. in Kniehöhe oder darunter zu schlagen. Dadurch muss er den Ball mit steigender Flugbahn zurückspielen, wodurch wir ihn in einem höheren Treffpunkt schlagen können. Darüber hinaus kann der Gegner bei tiefen Treffpunkten nur schwer Druck machen und auch hohe Topspin Vorbereitungsschläge sind ihm schwer möglich.
Technik: Starker Rückwärtsdrall bewirkt, dass der Ball nicht hoch abspringt, wenn er relativ schnell gespielt wird. Zusätzlicher Sidespin verringert die Absprunghöhe zusätzlich und verändert  für den Gegner die seitliche Distanz zum Ball. Die Flugbahn des Balles darf nicht zu hoch sein und sollte im eigenen Feld ihren höchsten Punkt erreichen.
Taktik: Ideal für Schnitt- und Tempowechsel gegen technisch schwache Gegner und solche, die selbst keinen Slice als Antwort beherrschen. Vor allem gegen Gegner, die mit Winnerschlägen den Punkt machen wollen eine gute Vorbereitung. Tiefe Sliceschläge brauchen auch nicht allzu lang zu sein, wenn man Gegner hat, die relativ weit hinter der Grundlinie stehen und nicht mit Sliceschlägen angreifen, da sie dadurch noch tiefere Treffpunkte schlagen müssen. Obwohl der Rückhand-Slice die gängige Version für diese Art der Vorbereitung ist, zeigen auch gelegentlich eingestreute Vorhand Sliceschläge womöglich mit zusätzlichem Sidespin auf die Rückhand des Gegners Wirkung.

Auch die Vorbereitung durch Stopbälle (Dropshots) soll hier nicht unerwähnt bleiben, da der Stopball zunächst nicht unbedingt zum sofortigen Punktgewinn führen muss, was vor allem dann gilt, wenn sich der Gegner mit dem Laufen schwer tut oder keine Antwort auf den Stopball beherrscht (Gegenstop bzw. Angriffsschlag).

Entscheidend für alle Vorbereitungsschläge ist, dass man, wenn man den Eindruck hat, dass sie gut gelungen sind, an die Grundlinie aufrückt, eventuell sogar einen Schritt in den Platz hineingeht.
Wichtig ist, dass man damit nicht wartet, wie der gegnerische Schlag ausfällt sondern gleichsam "auf Verdacht" schon aufrückt, bevor der Ball im gegnerischen Feld aufgesprungen ist. Nur dann erhalten wir nämlich hohe Treffpunkte für Winner- oder Angriffsschläge, wenn unser Vorbereitungsschlag Wirkung gezeigt hat und uns der Gegner die Chance dafür gibt.

Und noch eins:
Entscheidend für das Vorbereitungsspiel ist, dass man keine Eigenfehler macht und die Vorbereitung nicht so schlecht ausfällt, dass sie dem Gegner exakt jene Möglichkeiten für Winner- und Angriffsschläge eröffnet, die man selbst gerne erhalten hätte. 


Der Abschluss

Winnerschläge

Grundsätzlich ist es gleichgültig, ob man sich Winnerschläge aktiv durch Preparationshots (Vorbereitungsschläge) erarbeitet oder ob sie einem vom Gegner gleichsam "serviert" werden. Wichtig ist, dass man die Chance, die sich zum Punktgewinn bietet, nutzt.
Zur Erinnerung: Winnerschläge sind Schläge, mit denen man auf den unmittelbaren Punktgewinn abzielt.
Man kann sie dann anbringen, wenn der Gegner das Feld weit geöffnet hat oder uns durch zu kurze, langsame und relativ hoch gespielte Bälle das Tempo übergeben hat. 

Grundregeln für Winnerschläge

1. Je schlechter die Situation des Gegners umso weniger Risiko!
Es ist nicht notwendig, den Gegner zu erschiessen oder den Ball so extrem zu platzieren, dass ihn der Gegner nicht mehr berührt. Es genügt, dass er ihn nicht mehr oder so schlecht zurückbringt, dass der abschliessende Punktschlag nur mehr Formsache ist.

2. Zielsetzung für den Winnerschlag
Optimal: Direkter Punktgewinn
Gut: Weitere Erhöhung des Drucks auf den Gegner
Ausreichend: Beibehalten des Drucks

3. Winnerschläge sollten als schnelle Topspinschläge geschlagen werden.
Diese haben den Vorteil, dass sie sich schneller senken und deshalb nicht so leicht ins Out geschlagen werden. Wer den Drall schlägt, muss sehr flach schlagen, wodurch der Ball leicht im Netz hängen bleiben kann. Schlägt man hingegen drallfrei mit grosser Wucht leicht steigend, so landet der Ball unweigerlich ausserhalb des Feldes. Gerade Schläge sind daher zwar schnell aber auch riskant.

4. Ideal ist eine Position im Platz und ein Treffpunkt über Hüfthöhe

5. Horizontale Flugbahn!
Steigende Flugbahnen verlangsamen das Tempo und sind bei hohen Treffpunkten kaum nötig. Fallende Flugbahnen erhöhen das Netzrisiko.
Merksatz für Flugbahn: flach aber nicht knapp. Das heisst, dass schnell aber mit Sicherheitsabstand vom Netz gespielt werden sollte.

6. Sicherheitsabstand von den Seitenlinien!

7. Gute Beinarbeit ist wichtig
Da man meistens genügend Zeit hat, sich richtig zum Ball zu stellen, sollte man auf die Beinarbeit bei Winnerschlägen achten, die besonders bei Vorhand - Winnern wichtig ist.

8. Den Punkt fertig spielen!
Man sollte den Punkt erst dann abschliessen, wenn man ihn wirklich gemacht hat. Viele Spieler schalten nach dem Winnerschlag ab und vergessen, eine Position einzunehmen, aus der ein eventuell zurückkommender Ball abschliessend geschlagen werden kann. Man sollte daher nach dem Winnerschlag entweder zum Netz aufrücken oder eine gute Schlagposition für einen eventuell nötigen weiteren Winnerschlag einnehmen.

9. Dosierte Schlagwucht und Platzierung und daher dosiertes Risiko
Nur unsichere und unroutinierte Spieler investieren in den Winnerschlag mehr als nötig ist.

10. Auf den "falschen Fuss"
Winnerschläge werden zwar meistens ins "offene Feld" platziert, sie sind aber auch sehr wirkungsvoll, wenn man sie dorthin zurückspielt, von wo der Gegner geschlagen hat und von wo er wegläuft, um das Feld abzudecken, also "auf den falschen Fuss".

Nachdem wir uns eingehend mit dem Grunlinienspiel und hier speziell mit den Vorbereitunsschlägen beschäftigt haben, kommen wir zur zweiten grossen Gruppierung des technisch-taktischen Trainings.

Das Angriffsspiel

Unter Angriffsspiel versteht man den Netzangriff. Die englische Bezeichnung approach ist Aussagekräftiger, da es sich genau genommen um eine Annäherung an das Netz handelt, wo die eigentliche Entscheidung fällt. Wenn man daher einen Angriffsschlag als Annäherungsschlag zum Netz betrachtet, wird man ihn nicht als Punktschlag spielen sondern nur soviel in ihn investieren, dass man weiterhin Druck auf den Gegner ausübt, um dann punkten zu können.

Wenn wir nicht das Glück haben, dass uns der Gegner ohne unser Zutun die Angrffschance bietet, müssen wir sie uns durch Vorbereitungsschläge selbst erarbeiten.

Gute Angriffschancen sind:

a) zu kurze Bälle, die nicht zu weit aussen platziert sind, wobei der Treffpunkt nicht unbedingt hoch sein muss
b) nicht all zu lange relativ hohe und langsame Bälle

In beiden Fällen sollten die Bälle nicht zu weit aussen platziert sein, da man von den Seitenlinien keine gute Netzposition erreicht.

Voraussetzungen für den Netzangriff sind:

a) eine gute Angriffsposition
b) gute Angriffsschläge
c) gute Volleys und Smash
d) Mut zum Angriff, Angriffsroutine und Vertrauen in den Volley

Die Angriffsposition

Gute Angriffspositionen sind Schlagpositionen im Feld.
Je weiter man sich im Feld und in der Mitte des Feldes befindet, umso besser.

Das hängt mit folgenden Grundregeln zusammen:

 

Angriffsschläge

a) Die gewählte Technik der Angriffsschläge hängt neben dem technischen können des Spielers von mehreren Faktoren ab:
b) von der Höhe des Treffpunktes der Angriffsschläge
c) von der Art, wie man mit dem Angriffsschlag Druck auf den Gegner ausüben will
d) von der gewünschten Platzierung der Angriffsschläge
e) von der Angriffsposition

1. Angriffsschläge auf relativ hohe, kurze und nicht zu weit aussen platzierte Bälle

Hierbei handelt es sich um eine sehr gute Angriffsmöglichkeit, da man den Ball in Hüfthöhe schlagen kann, der gegnerische Ball relativ langsam und der Weg in eine gute Netzposition nicht weit ist.
Wir können auch sagen,dass es sich dabei um die optimale Angriffsposition des
Normalverbrauchers  handelt.

Mögliche Schlagtechniken:  VH- und Rückhand Topspin Drive
                                                VH- und Rückhand

VH und RH Topspin Drive

Vorteil: schneller, flacher Schlag, mit dem technischer Druck (Timingprobleme) und konditioneller Druck (weite Laufstrecke bei starker Crossplatzierung) auf den Gegner ausgeübt wird.
Nachteil: kann nur auf relativ hohe Treffpunkte gespielt werden, relativ hoher Treffpunkt für den Passierschlag (Passingshot) besonders dann, wenn er kurz ist. Dadurch dass  Topspin Drive Schläge schnell sind, kommt man nicht sehr nahe ans Netz.

 

VH und RH Slice

Vorteil: kann auch auf tiefe Treffpunkte gespielt werden, tiefer Treffpunkt für den Passingshot (besonders in Verbindung mit Sidespin), langsamer als Topspin, dadurch weiteres Vorrücken zum Netz möglich, das "Durchlaufen" des Schlages ist technisch leichter als beim Topspin. Die Variation anstelle eines Angriffschlages einen Dropshot (Stopball) zu spielen, ist vom Gegner  nicht leicht erkennbar.
Nachteil: weniger druckvoll, wird gelegentlich zu lange und eignet sich daher für extremere cross Platzierungen nicht so gut.

Der VH Slice wird als Angriffsschlag nicht gerne gespielt. Das ist deshalb verständlich, da die meisten Spieler einen guten VH Topspin Drive haben und diesen natürlich als Angriffsschlag einsetzen wollen. Interessanterweise sieht man aber bei Spitzenspielern den VH Slice "down the line" mit Sidespin auf die Rückhand des Gegners als Angriffsschlag immer öfters.

Ihr
Dr. Helmut Hauer

 

Technische Tipps

Die meisten Tennisspieler haben wenig davon, wenn man ihnen erklärt, wie Roger Federer oder Maria Sharapowa ihre Vorhand über das Netz peitschen oder mit Kick in die äussersten Ecken servieren, sondern wollen ganz einfach wissen, wie sie den Ball sicher und möglichst unangenehm für den Gegner ins andere Feld spielen.
Ob sie dabei den richtigen Griff verwenden und technisch richtg ausholen, ist ihnen ziemlich egal. Wir werden daher gelegentlich auch Tipps geben, die in den Lehrbüchern nicht zu finden sind, weil sie Kompromisse eingehen zwischen dem was theoretisch sein soll und dem , was für den Spieler oder die Spielerin möglich ist. Unsere Tippgeber sind Dr. Helmut Hauer, der langjährige Ausbildungsleiter des Österreichischen Tennisverbandes und Leiter des Bundessportzentrums Südstadt in den ersten 10 Erfolgsjahren. Dr. Hauer war auch Fachlicher Leiter des Verbandes der Österreichischen Tennisschulen und als solcher um eine einfache und zielführende Methodik für den Normalverbraucher bemüht.

Mein Aufschlag ist ein Einwurf!!

Schliessen wir einmal aus, dass Sie so wenig Schnellkraft besitzen, dass Sie auch beim besten Willen den Schläger nicht beschleunigen können. Schliessen wir des weiteren aus, dass Sie Angst haben, einen Doppelfehler zu machen und aus diesem Grund schon den ersten Aufschlag aus Sicherheit spielen.
Nehmen wir also an, dass Sie Ihren Gegner durch die Geschwindigkeit des Aufschlages unter Druck setzen wollen, zu Ihrem Leidwesen aber keinen Druck zustande bringen. Die Gründe dafür können zahlreich sein und um Genaues sagen zu können, müsste man Ihren Aufschlag einmal analysieren. Vielleicht hilft aber bereits der folgende Check, um von selbst auf Ihre Fehler zu kommen.

1. Überprüfen Sie Ihren Griff!

Wenn Sie für Ihren Aufschlag den Eastern Vorhandgriff verwenden, liegt der Griff beim Ausholen auf Ihrer Handfläche auf und Sie können den Schlägerkopf nicht weit genug hinter dem Rücken absenken. Der Anschwungweg zum Treffpunkt wird zu kurz und der Schläger kann nicht ausreichend beschleunigt werden.
Tipp: Verwenden Sie den Continentalgriff (Einheitsgriff). Bei lockerer Griffhaltung "fällt" der Schläger in der Ausholbewegung in das V zwischen Daumen und Zeigefinger und kommt dadurch weit unter die Schlaghand. Allerding könnten Sie mit dem Continentalgriff Probleme mit dem Geraden Aufschlag bekommen, da man in der Schlagbewegung den Unterarm nach vorne drehen muss (Pronation). Tun Sie das nicht, so erhält Ihr Aufschlag einen seitlichen Drall. Wir nennen ihn dann Slice-Aufschlag.

2. Der Vorhandgriff ist nicht optimal aber möglich!

Vielen Hobbyspielern fällt es schwer, auf den Continentalgriff überzuwechseln. Der Semi-Continental Griff (leichter VH Griff) stellt einen Kompromiss dar. Sollten Sie sich dazu entschliessen, so sollten Sie auf jeden Fall in der Ausholbewegung den Griff locker halten und ihn erst in der Schlagbewegung festigen, Dadurch ermöglichen Sie wenigstens einen bescheidenen Handgelenkseinsatz, der den Schlägerkopf zusätzlich beschleunigt. Wenn Sie den Griff schon in der Ausholbewegung festhalten, blockieren Sie diese Beschleunigung bzw. verhindern ein Absenken des Schlägerkopfes hinter dem Rücken.

3. Der Ball darf den Schläger nicht bremsen!

Sie sollten das Gefühl haben, durch den Ball "durchzuschlagen". Für viele Spieler stellt der Ball ein mentales "Schlaghindernis" dar, das den Schlägerschwung blockiert. Schlagen Sie so, als ob der Ball, der für einen schnellen Schläger wirklich ein Hindernis darstellt, gar nicht vorhanden wäre. Solange Sie den Ball als Hindernis ansehen, bremsen Sie unbewusst ihre Schlägerbeschleunigung.

4. Die Ausschwungkontrolle!

Nehmen Sie sich vor, den Schlägerkopf nach dem Treffpunkt so schnell wie möglich unter die Schlaghand zu bekommen. Das schaut so aus, dass die Schlägerachse schon senkrecht nach unten zeigt, wenn Ihr Schlagarm im Ausschwung noch waagrecht in die Schlagrichtung zeigt.

5. Ohne Schnellkraft nützt die beste Technik nichts!

Natürlich kann auch mangelnde Kraft und vor allem Schnellkraft der Grund für einen schwachen Aufschlag sein. Ist dies der Fall, so ist Konditionstraining angesagt, zumindest aber 3 x täglich 10 x 10 Liegestütze.