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Fachliteratur - Technische Tipps

Tipp`s von Dr. Helmut Hauer
Taktisches Grundwissen
Nachdem Sie, liebe Leser, sich offensichtlich mit dem Tennis näher
befassen und neben dem Erlernen von Schlägen auch etwas darüber erfahren wollen,
wie man dieses Spiel spielen sollte, möchte ich Ihnen dazu einige Tipps geben.
Eines ist nämlich sicher: Die meisten Tennisspieler konzentrieren sich viel zu
sehr auf das Schlagtraining und vergessen darüber, dass man auch mit schwächeren
Schlägen gewinnen kann, wenn man ein bisschen "gescheiter" spielt.
Man hört dann oft technisch bessere Spieler klagen "Ich war der Bessere und habe
trotzdem verloren". Sie übersehen allerdings, dass nicht nur die Beherrschung
der Schlagtechnik, sondern auch ihre richtige Anwendung ein Qualitätskriterium
ist. Sie haben daher nicht recht, wenn sie meinen, die besseren Spieler zu sein.
Sie sind zwar mit Sicherheit die besseren "Schläger", die besseren "Spieler"
sind aber aller Wahrscheinlichkeit nach ihre siegreichen Gegner.
Das Grundlinienspiel
Die Vorbereitung / Vorbereitungsschläge (Preperationshots)
Grundzätzlich kann jeder Ball, den man übers Netz spielt, ohne damit einen
direkten Punkt zu machen, ein Vorbereitungsschlag sein:
Lachen Sie nicht! Denken Sie lieber daran , wie oft Sie selbst ohne jede
Notwendigkeit auf einen einfachen Ball einen dummen Fehler gemacht haben. Merkt
Ihr Gegner, dass Sie mehr riskieren, als Sie aufgrund Ihres technischen Könnens
sollten, so wird er seine Punkte damit vorbereiten, dass er Ihnen die Bälle
einfach herüberspielt und darauf wartet, dass Sie Ihre überplatzierten, zu
flachen oder zu "scharfen" Bälle ins Out oder ins Netz befördern.
Andererseits kan ein bloss über das Netz gespielter Ball auch eine Vorbereitung
für den Winnerschlag des Gegners sein. In diesem Fall wäre die unzureichende
Vorbereitung nach hinten los gegangen. Wir sehen also, dass das blosse
Hinüberspielen auch nicht ausreichen wird.
Sehen wir also davon ab, dass wir den Punkt durch blosses "Hinüberspielen"
vorbereiten können, weil der Gegner unerzwungene Fehler macht, so stellt sich
die Frage, was man mit Grundlinienschlägen vorbereiten will und kann.
Im Wesentlichen verfolgen wir mit Vorbereitungsschlägen 3 Zielsetzungen:
a) die Tempoübernahme
b) die Möglichkeit für Winnerschläge
c) die Möglichkeit zum Netzangriff
Die Tempoübernahme
Tempoübernahme bedeutet, dass man das Spieltempo bestimmt und
dadurch den Gegner technisch oder / und konditionell unter Druck setzt.
Wie erzeugt man Druck und kann dadurch das
Tempo übernehmen?
a) durch schnelle Bälle, durch die der Gegner
Timingprobleme aufgrund der Geschwindigkeit des Balles bekommt
b) durch Winkelschläge, die das gegnerische Feld öffnen
und der Gegner den Ball aus vollem Lauf schlagen muss
c) durch hohe schnelle Topspinschläge und tiefe
Sliceschläge, durch die der Gegner den Ball in sehr hohen oder sehr tiefen
Treffpunkten schlagen muss.
Ziel des Tempospieles ist primär der
Fehler des Gegners. Tut uns dieser nicht den
Gefallen, den Ball zu verschlagen, so sollten sich
in weiterer Folge durch das
Tempospiel Chancen auf Winnerschläge oder
auf einen Netzangriff ergeben. Nicht vergessen dürfen
wir, dass speziell das Winkelspiel
durch die dadurch bedingte erhöhte Laufarbeit des Gegners und die in der Folge
eintretende Ermüdung
auch einen Langzeiteffekt hat.
Das Tempospiel
Wir beschäftigen uns bei der Vermittlung des taktischen Grundwissens derzeit mit
dem Grundlinienspiel und den
Verbereitungsschlägen. Dabei haben
wir festgestellt, dass neben dem unerzwungenen Eigenfehler des Gegners die
Zielsetzung von Vorbereitungsschlägen (Preperatinoshots), die Tempoübernahme
(das Tempospiel) und die Chance auf Winnerschläge oder den Netzangriff ist.
Im letzten Beitrag habe ich mit der Tempoübernahme begonnen und festgestellt,
dass man Tempo duch schnelle Bälle,
Winkelschläge und hohe schnelle Topspinschläge bzw.
tiefe Sliceschläge machen kann.
Wir wollen uns dieses Mal mit dem
schnellen Spiel beschäftigen.
Schnelle Bälle
Der Ball wird schnell, wenn er
a) mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit ohne Drall (zentral getroffen) geschlagen
wird
b) mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit mit Vorwärtsdrall (tangential getroffen)
geschlagen wird
c) eine flache Flugbahn aufweist
Mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit ohne
Drall geschlagene Bälle
Hohe Bewegungsgeschwindigkeit bei zentralem (vollem) Treffen
des Balles bedeutet, dass viel Energie auf den Ball übertragen wird, wodurch
grosse Schlagwucht zustande kommt. Technisch handelt es sich dabei um
Driveschläge.
Vorteil: Kein
Energieverlust, da die Schlagenergie zur Gänze das Zentrum des Balles trifft und
keine Energie für die Rotation verloren geht. Lange Flugbahn.
Nachteil: Gelegentlich zu
lange Flugbahn, kaum Drall in der 2. Flugbahn (nach dem Aufspringen), angenehme
Treffpunkthöhe (in Hüfthöhe) für den Gegner.
Mit hoher Bewegungsgeschwindigkeit und
Vorwärtsdrall geschlagene Bälle
Sehr hohe Bewegungsgeschwindigkeit des Schlagarmes, perfekte
Körperkoordination und gutes Timing sind Voraussetzung für schnelles
Topspinspiel, da ein Teil der Schlagenergie für die Rotation des Balles benötigt
wird, wodurch die Ballgeschwindigkeit reduziert wird.
Allerdings sind mit Topspin geschlagene Bälle in ihrer zweiten Flugbahn (nach
dem Aufspringen) aufgrund ihrer stärkeren Vorwärtsrotation schneller als Drives
(ausserdem springen sie höher ab).
Vorteil: Die Flugbahn der
Bälle ist aufgrund des Vorwärtsdralles kürzer als bei Drives, so dass der Ball
im Feld bleibt. Schnelle und steil abspringende zweite Flugbahn, durch die der
Gegner Timingprobleme bekommen kann.
Nachteil: bei gleicher
Bewegungsgeschwindigkeit etwas langsamer als Drives. Bei zuviel Topspin zu
langsam und eventuell auch zu kurz, wodurch der Gegner eine gute Treffpunkthöhe
und Winner- oder Angriffschancen erhällt.
Bälle mit flacher (nahezu) horizontaler
Flugbahn
Da die Gerade die schnellste Verbingung zwischen zwei Punkten
ist, ist die flache Flugbahn die schnellste Verbindung zwischen Treffpunkt und
Aufsprung des Balles.
Vorteil: Die Flugzeit des
Balles ist kürzer als bei gekrümmten Flugbahnen.
Nachteil: Flache Flugbahnen
werden zu kurz, wenn nicht mit hoher Schlagwucht geschlagen wird.
Werden flache Flugbahnen knapp über das Netz gespielt, so erhöht sich die Gefahr
des Eingenfehlers. "Flach aber
nicht knapp" ist daher die
Anweisung, die jeder Spieler beherzigen sollte.
Achtung!
Flache (nahezu horizontale) Grundlinienschläge sollten nur
bei Treffpunkten über Hüfthöhe gespielt werden.
Winkelschläge öffnen das Feld
Die besten Gelegenheiten für einen grossen Schlagwinkel bieten relativ kurze
down the line (longline) geschlagene Bälle des Gegners. Von der Seitenlinie kann
durch einen kurz cross gespielten Ball ein grosser Schlagwinkel erzielt werden,
der umso grösser wird, je näher der Gegner an die Seitenlinie und je kürzer er
diesen Ball spielt.
Dreimal dürfen Sie raten, welchen Schlag man daher als Grundlinienschlag
tunlichst vermeiden sollte: einen relativ
langsamen RH Slice longline, womöglich noch nahe an die
Linie platziert.
Erstens schlagen wir ihn auf die VH eines Rechtshänders,
zweitens birgt er das Risiko, dass er im Seitenout landet und drittens gibt er
dem Gegner die Möglichkeit, mit einem kurz cross geschlagenen VH Topspin, einen
grossen Schlagwinkel zu spielen.
Im modernen Tennis werden auch "inside-out" Winkelschläge gespielt. Es sind dies
Schläge, bei denen man entweder die RH umläuft um mit der VH auf die RH Seite
des Rechtshänders zu schlagen oder mit RH Schlägen von der Mitte der RH Seite
die meistens offene Vorhandseite des Gegners attackiert. Spitzenspieler tun dies
mit einem schnellen Topspin Drive (meistens Bihänder) aber auch mit einem RH
Slice mit Sidespin. Entscheidend ist, dass die inside out geschlagenen RH
Schläge nicht von der Seitenlinie longline geschlagen werden sollten, sondern
von Rückhand Mitte, da auf diese Weise ein, wenn auch kleiner, Winkel erzielt
wird.
Was soll man bei Winkelschlägen beachten?
1. Da Schläge mit grossem Schlagwinkel kürzer sein müssen als lang cross
gespielte Grundlinienschläge, sollte die Flugbahn des Balles im eigenen Feld
ihren höchsten Punkt erreichen und über dem Netz bereits fallend sein.
2. Winkelschläge sollten mit Topspin geschlagen werden, da ihre Flugbahn dadurch
kürzer wird.
3. Die Schlagwucht sollte zumindest anfänglich etwas reduziert werden, um den
Ball nicht ins Seitenout zu schlagen.
4. Je weiter man von der Platzmitte aus schlägt, umso schwieriger sind
Winkelschläge zu schlagen und umso kleiner wird der mögliche Schlagwinkel.
Trainingstipp: Der
Trainer spielt aus dem Korb langsame und relativ kurze Bälle down the line und
zwar nahe zur Seitenlinie. Der Spieler versucht, die Bälle mit leichter
Laufarbeit und offener Bein- Beckenstellung - kurz cross - ins "Gangerl"
(zwischen Single- und Doppellinie) zu schlagen.
Dadurch spielt er einen extremen Schlagwinkel und lernt, den Schläger von aussen
an den Ball heranschwingen zu lassen.
Langsam verlängert der Trainer das Zuspiel und der Spieler bleibt innerhalb des
Singlefeldes.
Das Winkelspiel dient zur Vorbereitung von
Winnerschlägen
Winnerschläge sind Schläge, mit denen man auf den unmittelbaren Punktgewinn
ausgeht, wobei das durch Winkelspiel geöffnete Feld eine ideale Gelegenheit
bietet.
Nach dem schnellen Spiel und dem Winkelspiel bilden hohe Topspinschläge und
tiefe Sliceschläge die dritte Möglichkeit der Tempoübernahme und damit der
Vorbereitung des Punktgewinns.
Zunächst einmal wollen wir klarstellen, welche Schläge damit gemeint sind:
Hohe Topspinschläge
Zielsetzung: Der
Gegner soll gezwungen werden, Treffpunkte in Schulterhöhe zu schlagen.
Das ist für technisch schwache Spieler nicht leicht und vor allem Bihänder tun
sich dabei schwer. Darüber hinaus macht die Verstärkung des Dralls in der
zweiten Flugbahn (nach dem Aufsprung) den Ball schnell und kann Timingprobleme
bereiten. Sollte der Gegner den Ball nicht hoch schlagen wollen, muss er weit
hinter die Grundlinie zurück, wodurch er das Tempo mit grosser
Wahrscheinlichkeit verliert.
Technik:
Topspinschläge mit einer steigenden Flugbahn über dem Netz und einem Abstand vom
Netz von ca. 1 1/2 bis 2 Meter. Nur mit dieser Flugbahnhöhe erzielen wir jene
Länge, die wir brauchen, um den Gegner hinter die Grundlinie zu zwingen. Dabei
sollte man nicht vergessen, dass die Ballgeschwindigkeit und der Drall relativ
hoch sein müssen, da der Ball ansonsten in seiner zweiten Flugbahn nicht schnell
genug und mit der nötigen Rotationsgeschwindigkeit abspringt.
Trainingstipp:
Stellen Sie einen Trainingspartner, der den Schläger mit ausgestrecktem
Arm waagrecht über dem Kopf hält, in der gegnerischen Hälfte knapp hinter das
Netz und schlagen Sie die vom Trainier zugespielten Bälle knapp über ihn. Sie
werden sehen, dass diese Flugbahnhilfe automatisch zur idealen Länge ihrer hohen
Topspin Vorbereitungsschläge führt.
Taktik: Man spielt
"hoch aufgerissen" meist gegen kleine Spieler, Rückhand-Bihänder und solche, die
mit hohen Bällen technische Probleme haben. Auch zum Tempo- und Rhythmuswechsel
sind diese Bälle sehr gut geeignet.
Tiefe Sliceschläge
Zielsetzung: Der
Gegner soll gezwungen werden, tiefe Treffpunkte, d.h. in Kniehöhe oder darunter
zu schlagen. Dadurch muss er den Ball mit steigender Flugbahn zurückspielen,
wodurch wir ihn in einem höheren Treffpunkt schlagen können. Darüber hinaus kann
der Gegner bei tiefen Treffpunkten nur schwer Druck machen und auch hohe Topspin
Vorbereitungsschläge sind ihm schwer möglich.
Technik: Starker
Rückwärtsdrall bewirkt, dass der Ball nicht hoch abspringt, wenn er relativ
schnell gespielt wird. Zusätzlicher Sidespin verringert die Absprunghöhe
zusätzlich und verändert für den Gegner die seitliche Distanz zum Ball. Die
Flugbahn des Balles darf nicht zu hoch sein und sollte im eigenen Feld ihren
höchsten Punkt erreichen.
Taktik: Ideal für
Schnitt- und Tempowechsel gegen technisch schwache Gegner und solche, die selbst
keinen Slice als Antwort beherrschen. Vor allem gegen Gegner, die mit
Winnerschlägen den Punkt machen wollen eine gute Vorbereitung. Tiefe
Sliceschläge brauchen auch nicht allzu lang zu sein, wenn man Gegner hat, die
relativ weit hinter der Grundlinie stehen und nicht mit Sliceschlägen angreifen,
da sie dadurch noch tiefere Treffpunkte schlagen müssen. Obwohl der
Rückhand-Slice die gängige Version für diese Art der Vorbereitung ist, zeigen
auch gelegentlich eingestreute Vorhand Sliceschläge womöglich mit zusätzlichem
Sidespin auf die Rückhand des Gegners Wirkung.
Auch die Vorbereitung durch Stopbälle (Dropshots) soll hier nicht unerwähnt
bleiben, da der Stopball zunächst nicht unbedingt zum sofortigen Punktgewinn
führen muss, was vor allem dann gilt, wenn sich der Gegner mit dem Laufen schwer
tut oder keine Antwort auf den Stopball beherrscht (Gegenstop bzw.
Angriffsschlag).
Entscheidend für alle Vorbereitungsschläge ist, dass man, wenn man den Eindruck
hat, dass sie gut gelungen sind, an die Grundlinie aufrückt, eventuell sogar
einen Schritt in den Platz hineingeht.
Wichtig ist, dass man damit nicht wartet, wie der gegnerische Schlag ausfällt
sondern gleichsam "auf Verdacht" schon aufrückt, bevor der Ball im gegnerischen
Feld aufgesprungen ist. Nur dann erhalten wir nämlich hohe Treffpunkte für
Winner- oder Angriffsschläge, wenn unser Vorbereitungsschlag Wirkung gezeigt hat
und uns der Gegner die Chance dafür gibt.
Und noch eins:
Entscheidend für das Vorbereitungsspiel ist, dass man keine Eigenfehler macht
und die Vorbereitung nicht so schlecht ausfällt, dass sie dem Gegner exakt jene
Möglichkeiten für Winner- und Angriffsschläge eröffnet, die man selbst gerne
erhalten hätte.
Der Abschluss
Winnerschläge
Grundsätzlich ist es gleichgültig, ob man sich Winnerschläge aktiv durch
Preparationshots (Vorbereitungsschläge) erarbeitet oder ob sie einem vom Gegner
gleichsam "serviert" werden. Wichtig ist, dass man die Chance, die sich zum
Punktgewinn bietet, nutzt.
Zur Erinnerung: Winnerschläge sind Schläge, mit denen man auf den unmittelbaren
Punktgewinn abzielt.
Man kann sie dann anbringen, wenn der Gegner das Feld weit geöffnet hat oder uns
durch zu kurze, langsame und relativ hoch gespielte Bälle das Tempo übergeben
hat.
Grundregeln für Winnerschläge
1. Je schlechter die Situation des
Gegners umso weniger Risiko!
Es ist nicht notwendig, den Gegner zu erschiessen oder den Ball
so extrem zu platzieren, dass ihn der Gegner nicht mehr berührt. Es genügt, dass
er ihn nicht mehr oder so schlecht zurückbringt, dass der abschliessende
Punktschlag nur mehr Formsache ist.
2. Zielsetzung für den Winnerschlag
Optimal: Direkter Punktgewinn
Gut: Weitere Erhöhung des Drucks auf den Gegner
Ausreichend: Beibehalten des Drucks
3. Winnerschläge sollten als schnelle
Topspinschläge geschlagen werden.
Diese haben den Vorteil, dass sie sich schneller senken und deshalb
nicht so leicht ins Out geschlagen werden. Wer den Drall schlägt, muss sehr
flach schlagen, wodurch der Ball leicht im Netz hängen bleiben kann. Schlägt man
hingegen drallfrei mit grosser Wucht leicht steigend, so landet der Ball
unweigerlich ausserhalb des Feldes. Gerade Schläge sind daher zwar schnell aber
auch riskant.
4. Ideal ist eine Position im Platz und
ein Treffpunkt über Hüfthöhe
5. Horizontale Flugbahn!
Steigende Flugbahnen verlangsamen das Tempo und sind bei hohen
Treffpunkten kaum nötig. Fallende Flugbahnen erhöhen das Netzrisiko.
Merksatz für Flugbahn: flach aber nicht knapp. Das heisst, dass schnell aber mit
Sicherheitsabstand vom Netz gespielt werden sollte.
6. Sicherheitsabstand von den
Seitenlinien!
7. Gute Beinarbeit ist wichtig
Da man meistens genügend Zeit hat, sich richtig zum Ball zu stellen,
sollte man auf die Beinarbeit bei Winnerschlägen achten, die besonders bei
Vorhand - Winnern wichtig ist.
8. Den Punkt fertig spielen!
Man sollte den Punkt erst dann abschliessen, wenn man ihn wirklich
gemacht hat. Viele Spieler schalten nach dem Winnerschlag ab und vergessen, eine
Position einzunehmen, aus der ein eventuell zurückkommender Ball abschliessend
geschlagen werden kann. Man sollte daher nach dem Winnerschlag entweder zum Netz
aufrücken oder eine gute Schlagposition für einen eventuell nötigen weiteren
Winnerschlag einnehmen.
9. Dosierte Schlagwucht und Platzierung
und daher dosiertes Risiko
Nur unsichere und unroutinierte Spieler investieren in den Winnerschlag mehr als
nötig ist.
10. Auf den "falschen Fuss"
Winnerschläge werden zwar meistens ins "offene Feld" platziert, sie
sind aber auch sehr wirkungsvoll, wenn man sie dorthin zurückspielt, von wo der
Gegner geschlagen hat und von wo er wegläuft, um das Feld abzudecken, also "auf
den falschen Fuss".
Nachdem wir uns eingehend mit dem Grunlinienspiel und hier speziell mit den Vorbereitunsschlägen beschäftigt haben, kommen wir zur zweiten grossen Gruppierung des technisch-taktischen Trainings.
Das Angriffsspiel
Unter Angriffsspiel versteht man den Netzangriff. Die englische Bezeichnung approach ist Aussagekräftiger, da es sich genau genommen um eine Annäherung an das Netz handelt, wo die eigentliche Entscheidung fällt. Wenn man daher einen Angriffsschlag als Annäherungsschlag zum Netz betrachtet, wird man ihn nicht als Punktschlag spielen sondern nur soviel in ihn investieren, dass man weiterhin Druck auf den Gegner ausübt, um dann punkten zu können.
Wenn wir nicht das Glück haben, dass uns der Gegner ohne unser Zutun die Angrffschance bietet, müssen wir sie uns durch Vorbereitungsschläge selbst erarbeiten.
Gute Angriffschancen sind:
a) zu kurze Bälle, die nicht zu weit aussen
platziert sind, wobei der Treffpunkt nicht unbedingt hoch sein muss
b) nicht all zu lange relativ hohe und langsame Bälle
In beiden Fällen sollten die Bälle nicht zu weit aussen platziert sein, da man von den Seitenlinien keine gute Netzposition erreicht.
Voraussetzungen für den Netzangriff sind:
a) eine gute Angriffsposition
b) gute Angriffsschläge
c) gute Volleys und Smash
d) Mut zum Angriff, Angriffsroutine und Vertrauen in den Volley
Die Angriffsposition
Gute
Angriffspositionen sind Schlagpositionen im Feld.
Je weiter man sich im Feld und in der Mitte des Feldes befindet, umso besser.
Das hängt mit folgenden Grundregeln zusammen:
Angriffsschläge
a) Die gewählte Technik der Angriffsschläge hängt
neben dem technischen können des Spielers von mehreren Faktoren ab:
b) von der Höhe des Treffpunktes der Angriffsschläge
c) von der Art, wie man mit dem Angriffsschlag Druck auf den Gegner ausüben will
d) von der gewünschten Platzierung der Angriffsschläge
e) von der Angriffsposition
1. Angriffsschläge auf relativ hohe, kurze und nicht zu weit aussen platzierte Bälle
Hierbei handelt es sich um eine sehr gute
Angriffsmöglichkeit, da man den Ball in Hüfthöhe schlagen kann, der gegnerische
Ball relativ langsam und der Weg in eine gute Netzposition nicht weit ist.
Wir können auch sagen,dass es sich dabei um die optimale Angriffsposition des
Normalverbrauchers handelt.
Mögliche Schlagtechniken: VH-
und Rückhand Topspin Drive
VH-
und Rückhand
VH und RH Topspin Drive
Vorteil: schneller, flacher Schlag, mit dem technischer Druck
(Timingprobleme) und konditioneller Druck (weite Laufstrecke bei starker
Crossplatzierung) auf den Gegner ausgeübt wird.
Nachteil: kann nur auf relativ hohe Treffpunkte
gespielt werden, relativ hoher Treffpunkt für den Passierschlag (Passingshot)
besonders dann, wenn er kurz ist. Dadurch dass Topspin Drive Schläge schnell
sind, kommt man nicht sehr nahe ans Netz.
VH und RH Slice
Vorteil:
kann auch auf tiefe Treffpunkte gespielt werden, tiefer
Treffpunkt für den Passingshot (besonders in Verbindung mit Sidespin), langsamer
als Topspin, dadurch weiteres Vorrücken zum Netz möglich, das "Durchlaufen" des
Schlages ist technisch leichter als beim Topspin. Die Variation anstelle eines
Angriffschlages einen Dropshot (Stopball) zu spielen, ist vom Gegner nicht
leicht erkennbar.
Nachteil: weniger
druckvoll, wird gelegentlich zu lange und eignet sich daher für extremere cross
Platzierungen nicht so gut.
Der VH Slice wird als Angriffsschlag nicht
gerne gespielt. Das ist deshalb verständlich, da die meisten Spieler einen guten
VH Topspin Drive haben und diesen natürlich als Angriffsschlag einsetzen wollen.
Interessanterweise sieht man aber bei Spitzenspielern den VH Slice "down the
line" mit Sidespin auf die Rückhand des Gegners als Angriffsschlag immer öfters.
Ihr
Dr. Helmut Hauer
Technische Tipps
Die meisten Tennisspieler haben wenig davon, wenn man ihnen erklärt, wie Roger
Federer oder Maria Sharapowa ihre Vorhand über das Netz peitschen oder mit Kick
in die äussersten Ecken servieren, sondern wollen ganz einfach wissen, wie sie
den Ball sicher und möglichst unangenehm für den Gegner ins andere Feld spielen.
Ob sie dabei den richtigen Griff verwenden und technisch richtg ausholen, ist
ihnen ziemlich egal. Wir werden daher gelegentlich auch Tipps geben, die in den
Lehrbüchern nicht zu finden sind, weil sie Kompromisse eingehen zwischen dem was
theoretisch sein soll und dem , was für den Spieler oder die Spielerin möglich
ist. Unsere Tippgeber sind Dr. Helmut Hauer, der langjährige Ausbildungsleiter
des Österreichischen Tennisverbandes und Leiter des Bundessportzentrums Südstadt
in den ersten 10 Erfolgsjahren. Dr. Hauer war auch Fachlicher Leiter des
Verbandes der Österreichischen Tennisschulen und als solcher um eine einfache
und zielführende Methodik für den Normalverbraucher bemüht.
Mein Aufschlag ist ein
Einwurf!!
Schliessen wir einmal aus, dass Sie so wenig Schnellkraft
besitzen, dass Sie auch beim besten Willen den Schläger nicht beschleunigen
können. Schliessen wir des weiteren aus, dass Sie Angst haben, einen
Doppelfehler zu machen und aus diesem Grund schon den ersten Aufschlag aus
Sicherheit spielen.
Nehmen wir also an, dass Sie Ihren Gegner durch die Geschwindigkeit des
Aufschlages unter Druck setzen wollen, zu Ihrem Leidwesen aber keinen Druck
zustande bringen. Die Gründe dafür können zahlreich sein und um Genaues sagen zu
können, müsste man Ihren Aufschlag einmal analysieren. Vielleicht hilft aber
bereits der folgende Check, um von selbst auf Ihre Fehler zu kommen.
1. Überprüfen Sie Ihren Griff!
Wenn Sie für Ihren Aufschlag den Eastern Vorhandgriff verwenden, liegt der Griff
beim Ausholen auf Ihrer Handfläche auf und Sie können den Schlägerkopf nicht
weit genug hinter dem Rücken absenken. Der Anschwungweg zum Treffpunkt wird zu
kurz und der Schläger kann nicht ausreichend beschleunigt werden.
Tipp: Verwenden Sie den Continentalgriff (Einheitsgriff). Bei lockerer
Griffhaltung "fällt" der Schläger in der Ausholbewegung in das V zwischen Daumen
und Zeigefinger und kommt dadurch weit unter die Schlaghand. Allerding könnten
Sie mit dem Continentalgriff Probleme mit dem Geraden Aufschlag bekommen, da man
in der Schlagbewegung den Unterarm nach vorne drehen muss (Pronation). Tun Sie
das nicht, so erhält Ihr Aufschlag einen seitlichen Drall. Wir nennen ihn dann
Slice-Aufschlag.
2. Der Vorhandgriff ist nicht optimal aber
möglich!
Vielen Hobbyspielern fällt es schwer, auf den Continentalgriff überzuwechseln.
Der Semi-Continental Griff (leichter VH Griff) stellt einen Kompromiss dar.
Sollten Sie sich dazu entschliessen, so sollten Sie auf jeden Fall in der
Ausholbewegung den Griff locker halten und ihn erst in der Schlagbewegung
festigen, Dadurch ermöglichen Sie wenigstens einen bescheidenen
Handgelenkseinsatz, der den Schlägerkopf zusätzlich beschleunigt. Wenn Sie den
Griff schon in der Ausholbewegung festhalten, blockieren Sie diese
Beschleunigung bzw. verhindern ein Absenken des Schlägerkopfes hinter dem
Rücken.
3. Der Ball darf den Schläger nicht
bremsen!
Sie sollten das Gefühl haben, durch den Ball "durchzuschlagen". Für viele
Spieler stellt der Ball ein mentales "Schlaghindernis" dar, das den
Schlägerschwung blockiert. Schlagen Sie so, als ob der Ball, der für einen
schnellen Schläger wirklich ein Hindernis darstellt, gar nicht vorhanden wäre.
Solange Sie den Ball als Hindernis ansehen, bremsen Sie unbewusst ihre
Schlägerbeschleunigung.
4. Die Ausschwungkontrolle!
Nehmen Sie sich vor, den Schlägerkopf nach dem Treffpunkt so schnell wie möglich
unter die Schlaghand zu bekommen. Das schaut so aus, dass die Schlägerachse
schon senkrecht nach unten zeigt, wenn Ihr Schlagarm im Ausschwung noch
waagrecht in die Schlagrichtung zeigt.
5. Ohne Schnellkraft nützt die beste
Technik nichts!
Natürlich kann auch mangelnde Kraft und vor allem Schnellkraft der Grund für
einen schwachen Aufschlag sein. Ist dies der Fall, so ist Konditionstraining
angesagt, zumindest aber 3 x täglich 10 x 10 Liegestütze.